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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

Förderkreis Baden-Württemberg
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Mitgliederversammlung in Stuttgart: Von heiligem Zorn und dem Trick des Heiligen Geistes

Mitgliederversammlung in Stuttgart: Von heiligem Zorn und dem Trick des Heiligen Geistes

IMG_2088.JPG09. Mai 2018

Am 3. Mai 1978 wurde in Esslingen der erste deutsche Oikocredit-Förderkreis gegründet. 40 Jahre später feierten gut 300 Anlegerinnen und Anleger das Jubiläum in Stuttgart.

„Wir brauchen Initiativen wie Oikocredit, damit unsere Welt ein gastlicher Ort bleibt“, sagte Staatssekretärin im baden-württembergischen Finanzministerium Gisela Splett in ihrem Festvortrag. In der anschließenden Diskussionsrunde machte eine Anlegerin den Vorschlag, dass das Land seine Pensionsrücklagen bei Oikocredit anlegen könnte. „Ich nehme die Frage mit ins Finanzministerium“, versprach die Staatssekretärin. Andere Anleger forderten, dass sich die grün-schwarze Landesregierung deutlicher gegen Freihandelsabkommen und gegen die Produktion und den Export von Waffen einsetzen sollten.

„Oikocredit ist der wahrgewordene Traum“, sagte Ging Ledesma, der „Beweis, dass Armutsbekämpfung auf Augenhöhe mit Krediten“ funktioniere. Die Direktorin für Anlegerbetreuung bei Oikocredit International würdigte insbesondere die Arbeit des Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg e.V., der mit seinen knapp 8.000 Mitgliedern allein 15 Prozent des Genossenschaftskapitals weltweit stelle und zudem auch Pionierarbeit in vielen Bereichen wie der digitalen Plattform MyOikocredit, der Entwicklung der Oikocredit Stiftung Deutschland und im Bereich der Klimaneutralität leiste.

Die Vorsitzende Dagmar Eisenbach warf einen Blick in die Zukunft. Die veränderten digitalen Gewohnheiten und neue Technologien bergen vielfältiges Potenzial für Oikocredit. "Die digitalen Möglichkeiten werden uns helfen, unsere soziale Mission weiterhin zugunsten von benachteiligten Menschen im globalen Süden zu erfüllen", so Dagmar Eisenbach.

Neue Maskerade des Kapitalismus

Karl Marx war nicht gekommen, um zu gratulieren. Der Kapitalismus-Kritiker – mit grauem Rauschebart gespielt von Oikocredit Deutschland Geschäftsführer Matthias Lehnert – wähnte sich in seiner eigenen Geburtstagsveranstaltung, schließlich fiel das Förderkreis-Jubiläumsfest am 5.5.2018 auf seinen 200. Geburtstag. Entsprechend negativ fiel sein erstes Urteil über Oikocredit aus: Eine „neue Maskerade des Kapitalismus“ sei das, bei der „die Pfaffen ihre Finger im Spiel“ hätten und dem Proletariat im letzten Winkel der Erde „unbarmherzig der letzte Cent“ aus der Tasche gezogen werde. Doch je länger sich der alte Herr mit der Kreditgenossenschaft und ihren Erfolgen bei der Armutsbekämpfung auseinander setzte, desto mehr Respekt brachte er Oikocredit gegenüber auf. Letztlich überlegte er sogar, einen Genossenschaftsanteil zu kaufen – vorausgesetzt Friedrich Engels gäbe ihm das Geld.

Oikocredit stand auf der Kippe

Vor 40 Jahren wurde der Förderkreis in Esslingen gegründet. Wer war mit dabei? Wie war die Anfangszeit? Das wollte die Förderkreis-Geschäftsführerin Manuela Waitzmann von den beiden „Zeitzeugen“ Günter Banzhaf und Gerhard Dilschneider wissen. Die beiden berichteten von schweren Anfangsjahren, vom Widerstand der Landeskirchen, dem „heiligen Zorn“, den darauf Günter Banzhaf erfasste. „Oikocredit stand auf der Kippe“, erklärte Gerhard Dilschneider, anfangs gab es nicht genügend Kapital. Günter Banzhaf ergänzte: „Doch die Förderkreise haben sich als wirksamer Trick des Heiligen Geistes entpuppt.“

Der Tag begann mit einer Andacht in der Hospitalkirche. Am Nachmittag wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder Rudolf Bausch und Willi Knecht verabschiedet. Neugewählt wurden Sarah Gekeler und Thomas Elsner.

Thabilé

Dividende von einem statt zwei Prozent?

Ging Ledesma erläuterte, dass der Vorstand der Genossenschaft bei der nächsten Jahreshauptversammlung von Oikocredit im Juni 2018 vorschlagen werde, für 2017 nicht wie in den vergangenen Jahren eine Dividende von zwei, sondern einem Prozent an die Anteilseigner auszuschütten. Hintergrund seien neben dem niedrigen Zinsniveau insbesondere der starke Euro im Vergleich zum US-Dollar, der den Oikocredit-Topf, der die Währungsschwankungen absichert, bis auf wenige Mittel reduziert habe. Eine Argumentation, der nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Stuttgarter Mitgliederversammlung folgen wollten. Oikocredit müsse auch für seine AnlegerInnen attraktiv sein. Wenn aber die Dividende unter der Inflation liege, verliere Oikocredit an Attraktivität auf einem stark umkämpften Finanzmarkt. Ging Ledesma versprach, die Anregungen weiterzugeben. Sie berichtete darüber hinaus von strategischen Entscheidungen innerhalb der Genossenschaft, wie das Geschäftsmodell sozial orientiert und effizient weiter entwickelt werden kann.

Philipp Pfäfflin

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