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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

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„Mikrokredite“ auf dem Prüfstand

„Mikrokredite“ auf dem Prüfstand

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(v.l.): Professor Radermacher, Anja Erlbeck (GIZ), Matthias Lehnert (Oikocredit), Dr. Christina Alff (Oikocredit, Moderation)

21. Dezember 2016

Verbannen Mikrokredite die Armut ins Museum? 10 Jahre nach dem Friedensnobelpreis an Yunus diskutierten Experten darüber, was Mikrofinanz tatsächlich leisten kann.

„Männer sind super für Kredite geeignet, aber nur für große“, so Professor Radermacher in seiner Eröffnungsrede beim Mikrofinanzpodium im Ulmer Stadthaus. Zehn Jahre nach Verleihung des Friedensnobelpreises an Yunus hat Oikocredit zur Diskussion geladen.

Mikrokredite werden in Entwicklungsländern vorrangig an Frauen vergeben. Mit Kleinbeträgen ab umgerechnet zehn Euro bauen sie ein Frisörgeschäft, eine Garküche oder eine Hühnerzucht auf. Aus wenig viel für die Familie machen, das könnten eben am besten Frauen. Radermacher beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit Mikrokrediten (Zur Studie).

Mikrofinanz ticke anders als das normale Bankgeschäft. Anders als bei konventionellen Krediten gibt es neben Investitionskapital auch Bildungsangebote: wie funktioniert ein Kredit, wie sieht ein solider Geschäftsplan aus? Auch praktisches Wissen zu Gesundheit, Hygiene oder Familienplanung können dazugehören. Für den Erfolg von Mikrofinanz seien aber auch staatliche Aufsichtsbehörden in der Pflicht, um z.B. klare rechtliche Rahmenbedingungen für das Kreditgeschäft zu schaffen und Konsumentenrechte zu stärken, so Anja Erlbeck von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Lebensversicherung für die Kuh

Seit 2006 hat sich das Angebot von Mikrofinanzinstitutionen weiterentwickelt. Mikrosparen und Mikroversicherungen kamen hinzu. Neben Risikolebens- oder Ernteausfallversicherungen entstanden auch exotischere Varianten – die aber genau dem Bedarf der Kundinnen entsprechen, wie z.B. eine Kuhlebensversicherung. Wer nämlich in Indien eine Kuh auf Kredit kauft und über den Erlös der Milch die Rückzahlung plant, hat ein großes Risiko, sollte die Kuh sterben. „Versicherungen reduzieren die Verletzlichkeit der Menschen und ermöglichen Investitionen“, erläutert Erlbeck.

Handybuchung statt Fingerabdruck

Auch digitale Neuerungen drängen in den Mikrofinanzmarkt. In Ecuador z.B. sind Kreditsachbearbeiter, die bei den Kundinnen die Kreditraten einsammeln, zum Teil bestens ausgestattet. Rückzahlungen werden nicht per Fingerabdruck quittiert, sondern direkt über das Smartphone gebucht und ein Beleg vor Ort ausgedruckt. Auch in Kenia ist der Markt für Finanzdienstleistungen über das Handy extrem gut entwickelt: Geldüberweisungen, Sparen von Kleinstbeträgen oder auch Mini-Mikrokredite mit einer Laufzeit von nur 30 Tagen sind über das Handy möglich.

Empowerment durch Mikrokredite

In den letzten Jahren hat sich jedoch auch gezeigt, dass nicht alle Institute, die Mikrokredite vergeben, der ursprünglichen Vision von Yunus treu geblieben sind. Wie Radermacher darlegt, wurden Mikrokredite auch in „plünderischer“ Gesinnung genutzt. „Daher ist die Partnerwahl für Oikocredit zentral, also die Frage, an welches Mikrofinanzinstitut wir das Geld unserer Anleger verleihen“, sagt Matthias Lehnert, Geschäftsführer von Oikocredit Deutschland. Um nicht die schwarzen Schafe zu finanzieren, seien klare Kriterien genauso wichtig wie lokale Mitarbeiter. So sind gut gemachte Mikrokredite ein sinnvolles Instrument zum Empowerment von benachteiligten Menschen – das belegen inzwischen auch verschiedene wissenschaftliche Studien. Vor allem der Handlungsspielraum der Menschen würde größer. Die generelle Lösung des globalen Armutsproblems sei der Mikrokredit aber nicht, so die Experten. Dafür brauche es vor allem auskömmliche Arbeit und flankierend staatliche Sicherheitsnetze und Sozialversicherungen wie Bismarck sie 1885 in Deutschland einführte.

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